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Das Solbad Raffelberg

Eine Kureinrichtung im Wandel der Zeit

Die Geschichte des Solbades ist eng mit der Geschichte des Bergbaus in diesem Gebiet verknüpft.

Die Anfänge des Solbades Raffelberg gehen auf die Entdeckung einer Solequelle im Jahre 1855 in der Zeche Alstaden zurück. Bergleute entdecken, dass sie bei Gicht und Rheuma darin Linderung finden.

Erst 1884, als auf Schacht II eine wesentlich stärkere Sole frei wird, denkt man daran, sie der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die hochprozentige erdsalzhaltige Solequelle mit Chlorverbindungen verspricht nach Untersuchungen des Mülheimer Apothekers Liekfeld Heilwirkung. Die Wirkung kommt durch die Zusammensetzung des Heilwassers zustande, denn die mineralischen Bestandteile wie Natrium - Natriumchlorid (chemische Bezeichnung für Salz gleich Sole), Kalium, Kalzium, und besonders Eisen tragen dazu bei.

Die Mülheimer Bürgermeister Bock und Polack machen Pläne für ein Mülheimer Solbad. Erste Planung ist 1883 ein Badehaus im Luisental, das nie gebaut wird, aber ein Vorläufer des Solbad Raffelberg ist. Auch andere Städte zeigen starkes Interesse an Solbädern, besonders Duisburg. Aber nur ein kleines Solbad in Alstaden wird 1884 von einem Gelsenkirchener Unternehmer gebaut.

1888: Man eröffnet zusätzlich eine Kinderheilanstalt, die in den Sommermonaten Kinderkuren für schwächliche Kinder zur Verfügung stellt. 20 Jahre später ist sie seinen Ansprüchen nicht mehr gewachsen.

1907: Als Alstaden in Oberhausen eingemeindet werden soll, beschließt die jetzt gegründete Aktiengesellschaft Solbad Raffelberg, die Anstalten aus kommunalpolitischen Überlegungen nach Mülheim zu verlegen. Mit 820.000 Mark wird die A.G. durch die Stadt, Industriewerke, Schiffahrtsunternehmen und Zechen gegründet. Der Mülheimer Oberbürgermeister Dr. Lembke fasst den Entschluss, die Sole in einer Leitung nach Mülheim zu holen und ein komfortables Solbad zu schaffen. Die Gesellschaft kauft am 16.4.1908 das 30 Morgen große Gut Raffelberg. Das Gut gibt dem Bad den Namen. Auf 7 ha sollen die Solbadanlagen entstehen. Für den Park werden 15 Morgen Waldgelände genutzt. Die Geschichte des Gutes Raffelberg ist bis 1486 zu verfolgen, als Johann Graf zu Limburg und Herr zu Broich den Eheleuten Diderich up dem Grimberge und Elsken den Raffelberg mit Haus und Hof auf Lebenszeit verpachtet. 1499 taucht dort der Name Dyrik opten Raffelsberge auf. In den Besitz der Stadt geht 1928 eine der ältesten Bauernschaften in der Mülheimer Gegend über.

1908/09: Das Bad wird unter dem Schutz der Göttin Hygieia gebaut und am 15.5.1909 eingeweiht. Eröffnet werden ein Kurhaus, ein Badehaus und die Parkanlage, die von einer 2,20 m hohen Mauer mit drei Eingängen umgeben sind. Zur Inbetriebnahme des Kindersolbades Raffelberg für skrofulös veranlagte und an Rachitis leidende Kinder minderbemittelter Eltern kommt es am 1.7.1909 durch den "Verein Kindersolbad Raffelberg".

Die schönen Gebäude der Anlage sind im repräsentativen Stil der Jahrhundertwende gebaut, ihre Architektur hat Harmonie, ist gut gegliedert, und die Baukörper sind sinnvoll und ohne Langeweile einander zugeordnet. Die Eingangshalle bildet das Herzstück der Anlage. Sie ist ein tempelähnlicher, lichtdurchfluteter Kuppelbau mit einer bronzenen mädchenhaften Quellgöttin. An den Wänden befinden sich mit bunten Mosaiksteinchen nachgebildet acht Figuren griechischer Götter. Die lateinische Inschrift in der Kuppelhalle lautet: "Dem Kranken zur Heilung, dem Gesunden zum Vergnügen."

Die Gestaltung des Kurparks wird dem Gartendirektor der Stadt Düsseldorf, Freiherr von Engelhardt, übertragen. Forderung ist, den alten Baumbestand zu erhalten und die Vergrößerung des Wasserlochs zu einem Teich. Damit das Solbad in Betrieb genommen werden kann, bringt eine 2,5 km lange, zum Teil ober- und unterirdisch geführte Leitung die Sole von Alstaden nach Raffelberg.

1910: Die Restauration und Parkanlage erfreuen sich bei den Bürgern aus Mülheim, Duisburg und Oberhausen großer Beliebtheit. Besonders gefallen ihnen die an Sommernachmittagen stattfindenden Kurkonzerte der Militärkapelle unter dem Musikmeister Lätsch.

Nur der eigentliche Zweck der Einrichtung wird nicht erreicht. Der Kurbetrieb ist im wesentlichen ambulante Behandlung, die Kurhausbelegung bleibt unter seiner Sollzahl.

1911: Als am 31.12.1911 der Kursaal mit 800 Plätzen eingeweiht wird, spielt sich im Solbad reges, gesellschaftliches Leben ab. Man lustwandelt vom Kursaal über einen Verbindungsgang zum Brunnenpavillon, hört Kurkonzerte im Park und tanzt in den angeschlossenen Restaurationsbetrieben. Hier ist der attraktive Mittelpunkt für das Ruhrgebiet.

Das muntere, gesellschaftliche Leben kann nur bis zum Beginn des 1. Weltkrieges aufrecht erhalten werden. Das Solbad gerät in der Kriegs-, Nachkriegs- und lnflationszeit in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Das Kindersolbad dagegen läuft nach einer Zwangspause durch die Benutzung als Lazarett im 1. Weltkrieg gut weiter.

1919: Man erweitert das Kindersolbad um 200 Plätze durch Anmietung der Gaststätten "Haus Hohenzollern" und "Jägerhof", die man zu diesen Zwecken umrüstet. 1921 werden sie durch die Erweiterung des Kindersolbades ersetzt.

In der Zeit weltweiter Rezession am Ende der 20er Jahre macht das Kinderheim Verluste.

1934: Nach Rückschlägen kommt es zu dieser Zeit erneut zum Aufschwung des Kindersolbades. 500 Kinder kommen jährlich in vierwöchigen Sommerkuren bis der 2. Weltkrieg beginnt.

1936: Die Solbad Aktiengesellschaft wird wegen Ausbleibens erwarteter Gewinne aufgelöst und der "Verein Solbad Raffelberg e.V." gegründet. Vereinsmitglieder sind die Stadt, die Sparkasse und der Verkehrsverein. Der Verein will dem Solbad wieder auf die Beine helfen.

1946: Der Krieg verursacht an Badehaus und Parkanlagen große Luftwaffenschäden. Plünderer tun ihr Weiteres, indem sie besonders im Kurhaus und in der Kinderheilstätte alle beweglichen Gegenstände entwenden und darüber hinaus Waschbecken abmontieren und Rohre aus den Wänden brechen.

1950: Die zahlreichen Kriegsschäden im Inneren des Badehauses und des Kindersolbades werden unter dem Geschäftsführer Bruckhoff mit Mitteln des Landes in Höhe von 300.000,- DM ausgebessert. Das Gebäude des Kindersolbades bekommt ein Stockwerk mehr und kann jetzt 300 Kinder aufnehmen. Die Kosten dafür von 3,50 DM pro Tag und Kind zahlen die Sozialträger. In diesem Jahr finden hier 2.135 Kinder bis zum linken Niederrhein in Sechswochenkuren Erholung.

Kindergärtnerinnen betreuen Gruppen mit 15 - 30 Kindern. Sie bringen viel Idealismus mit, denn ihre Arbeitswoche beträgt bis zu 75 Stunden. Neben der Betreuung der Kinder müssen sie auch deren Kleidung in Ordnung halten.

Das Kinderheim Raffelberg zählt mittlerweile zu den besten Heimen des Landes, in dem jährlich 7 Kuren stattfinden. Die Stadt Duisburg erwägt, das Solbad zu kaufen, da hier viele Duisburger Kinder Pflege und Erholung finden.

1974: Heinz Hager ist seit seiner Wahl zum Verwaltungs-Chef der Stadt Mülheim/Ruhr automatisch Vorsitzender des Vorstandes des "Verein Solbad Raffelberg e.V.". Das Solbad ist todkrank.

1975: Das Bad braucht eine finanzielle Spritze. Vorstand und Geschäftsführer sahen das Bad immer als soziale Einrichtung und stellen seine Fortentwicklung unter diesen Gesichtspunkt. Ein neues Konzept mit erweitertem Angebot für das Solbad wird entwickelt. Auch der Rat der Stadt will das Bad erhalten und beschließt, Mittel für die Renovierung zu bewilligen.

1976/77: Mit Unterstützung, auch der Sparkasse und der Leonard Stinnes-Stiftung, wird das Badehaus unter Erich Seeger für 1,7 Millionen DM innen und außen renoviert und auf den neuesten Stand gebracht. Der Erfolg zeigt sich in höherer Besucherzahl als zu Anfang der 70er Jahre. Das Bad, ein Stück Mülheimer Idylle, ist wieder wie früher Anziehungspunkt für Mülheim, Duisburg und Oberhausen. Es begrüßt seine Besucher im neuen Anstrich und vor seinem Eingang mit Tulpen in den Stadtfarben.

1979: Am 15.5.1979 ist der Gesundbrunnen 70 Jahre alt. Die traditionsreiche Einrichtung wechselt ohne großen Festakt ins 8. Jahrhundert. Umfangreiche Feierlichkeiten sind für 1984 nach der 175 Jahr-Feier der Stadt Mülheim geplant. Dem Mülheimer Kleinod in dem etwa 80 Hektar großen Park ist seit seiner Renovierung ein enormer Aufschwung beschert. Das Bad wird seinem Leitspruch an der Außenfront der Kuppel- halle gerecht: "Gesundheit ist die Quelle der Kraft und Schönheit."

Sei dem 1.4.79 bekommt das Bad wieder flüssige Natursole aus der Oberhausener Zeche Concordia in Tankwagen angeliefert. Sie wird im Solevorratsbehälter gelagert und bei Verwendung im Aufwärmbehälter erhitzt. Heilung und Linderung finden im Solebad Leiden wie Rheuma, Ischias, Neuralgien, Frauenleiden, Kreislaufstörungen und Erkrankungen der Atmungsorgane. Kraft erlangt man wieder bei geistiger und körperlicher Ermattung. Solebäder werden auch angewendet als Therapie nach Unfällen, Frakturen, bei Muskelstörungen, Versteifungen oder Teillähmungen. Zusätzlich bietet das Bad zahlreiche andere therapeutische Maßnahmen, Sonnenbänke, Kosmetik und Fußpflege.

Zur Aktivitätssteigerung sind ein Sole-Bewegungsbad, eine größere Sauna mit Freigelände, Solarien und ein Fitnessraum geplant, die an das Badehaus angebaut werden sollen. Im vorderen Teil des Parks gegenüber dem Eingang sind Fußtretbecken und Armbäder für Kneipp'sche Anwendungen geplant. Das ehemalige Kurhaus müßte dringend renoviert werden. Mülheim bewirbt sich mit Essen um ein Spielcasino und stellt die Erweiterungen zurück.

Das herrliche alte, gepflegte Parkgelände und das Solbad mit Gaststätte und Café sind vor allem am Wochenende das Ziel zahlreicher Ausflügler. Im Juni will ein renommierter Interessent die Gaststätte und den Saal pachten und renovieren. Das Vorhaben scheitert daran, daß Parkplätze für 400 PKW´s nicht geschaffen werden können, ohne daß Bäume gefällt werden müßten. Mit der Beseitigung der Bäume ist die Stadt nicht einverstanden.

1980: Man denkt wieder an die Reaktivierung des Solbades durch ein Solebewegungsbad und eine Freiluftsauna. Einig ist man sich darin, daß der wertvolle Baumbestand und die Landschaft geschont und erhalten werden. Der Kommunalverband Ruhr soll für Mülheim eine Bedarfsermittlung und Standortanalyse anfertigen. Seitdem das Bad die Natursole der Zeche Concordia benutzt, verzeichnet es eine deutliche Aufwärtsentwicklung und nimmt als Heilbad einen hohen Rang ein.

1981: Das Kurhaus wird durch das Theater a.d. Ruhr belegt. Die Renovierungsarbeiten sind in vollem Gange. Es ist das erste Theater, an dem sich die Stadt Mülheim beteiligt. Seit dem 1. September 1981 probt das Theater unter Roberto Cuilli und Helmut Schäfer "Lulu" und "Zyklop". Letzteres hat am 30. Dezember 1981 im Raffelberg Premiere. Die Atmosphäre im ehemaligen großen Kursaal, in dem Schützenkönige gekürt wurden und Jugend tanzte und der jetzt zum Theatersaal umfunktioniert wird, soll erhalten bleiben.

1982: Die gute alte Tradition des Kurkonzertes wird am 2. Mai wieder ins Leben gerufen. Man weiß nicht genau, ob das letzte Konzert vor 30 oder 40 Jahren stattfand. Der Speldorfer Bürger- und Kurverein, in Gemeinschaft mit der Interessengemeinschaft Speldorf, will damit das Solbad attraktiver und bekannter machen. Es spielen das Akkordeonorchester "Harmonia 1937" unter der Leitung von Arno Kleinmeier und das Jugendorchester unter der Leitung von Monika Thielen. Für das leibliche Wohl wird ebenfalls gesorgt. Das Solbad hat seinen Tag der offenen Tür.

1983: Die Stadtbadeinrichtung Sauna, Massageabteilung und das römisch-irische Bad gehören zum "Verein Solbad Raffelberg e.V.".

1984: Dem Besucher bietet sich das idyllische Bild der gepflegten Kuranlage in landschaftlich schöner Gegend, das Solbad wird oft von Fremden für ein Schloß oder ein Kloster aus den Jahren um die Jahrhundertwende gehalten.

Einen besseren Rahmen kann sich die Jubiläumsfeier am 19./20. Mai zum 75 sten Geburtstag des Solbades nicht wünschen. Geldgeber für das Fest sind der Speldorfer Bürger- und Kurverein sowie die Interessengemeinschaft Speldorf. Bei der feierlichen Eröffung im Rittersaal des Schlosses Broich erinnert Bürgermeister Weber an die Höhen und Tiefen des Solbades. Der Vorsitzende des Vereins Solbad Raffelberg,

Heinz Hager, spricht davon, daß für die Neuplanungen und das Sole Bewegungsbad mit Freisauna die Mindestkosten von 2-3 Millionen Mark bisher nicht aufgebracht werden konnten. Gehofft wird auf die Unterstützung durch Stadt und Sparkasse. Zum Fest auf dem Solbad-Gelände kommen ca. 4.000 Gäste. Eine Bergmannskapelle der Bergbau A.G. spielt zünftige Lieder. Geschäftsführer ist Kurt Graunke, der den SPD-Ortsverein unter seiner Vorsitzenden Lisa Poungias im Juli durch das Solbad führt. Die SPD-Mitglieder diskutieren darüber, wie man dieses Prunkstück noch attraktiver machen könne, denn diese Anlage sei es wert, durch Sole-Bewegungsbad und Freiluftsauna weiterentwickelt zu werden, gegebenenfalls auch durch größere Anbindung an die Rennbahn und das Speldorfer Wohngebiet.

Die Stadtbad-Einrichtung ist seit einem Jahr in der Regie des Solbad-Vereins. Es ist nicht annähernd zur Kostendeckung gekommen, so daß von dem Zuschuß von 150.000,- DM für das Solbad ein kleiner Teil für das Stadtbad erforderlich ist. Die Probleme werden in mangelnden Investitionen gesehen. Die CDU übt Kritik an kundenunfreundlichen Öffnungszeiten und falschem Management des Solbades. Sie spricht von Schließung oder Privatisierung.

1987: Das fünfte Kurkonzert seit 1982 findet am 13.6.1987 statt. Dem Bad mit seinen 27 Angestellten für Solbad und Stadtbad macht die Kostendämpfung im Gesundheitswesen finanziell arg zu schaffen; die Besucherzahlen stagnieren, und die Kostendeckung beträgt kaum 80%. Abhilfe würde ein Sole-Bewegungsbad bringen, für das die Stadt kein Geld aufbringen kann. Der Vorschlag wird gemacht, über einen Wohltätigkeitsball kapitalkräftige Mülheimer anzusprechen.

Die Verwaltung glaubt, die Anerkennung als kleines Bad würde finanziell helfen, denn die Leistungen seitens der Kassen lägen höher. Vor allem fehlt ein Bewegungsbad, das die Attraktivität steigern würde. Im übrigen schreiben vergleichbare Anbieter kurörtlicher Leistungen ebenfalls rote Zahlen. Auch für sie ist Kostendeckung ein noch nicht erreichtes wirtschaftliches Ziel. Verluste kennzeichnen fast alle Natursole-Bäder in der Bundesrepublik.

Man beschließt, die Ärzte der Umgebung auf die angebotenen Behandlungen aufmerksam zu machen und sie einzuladen. lnteressenten für eine Privatisierung gibt es auch. Die neue Konkurrenz des Solbades heißt "Niederrhein-Therme" im Revierpark Mattlerbusch, die Minister Zöpel mit 5,3 Millionen DM gefördert hat. Sie steht unter der Verwaltung des Kommunalverbandes Ruhr und der Stadt Duisburg. Die Sole kommt vom Schacht Wehofen per Tanklaster.

1988: Die künftige Nutzung des kranken Solbades soll wirtschaftlich gestaltet werden. Man sucht nach Möglichkeiten. Dazu stellt Frau Dr. Vera Grunow-Luther von der Uni Duisburg das von ihr mitbetreute Projekt "Wohnortnahe Versorgung von Rheuma-Kranken" vor. Darunter zu verstehen ist eine Art wohnortnahe Kurzkur mit Warmwasser- und Trockengymnastik, Entspannungsübungen, Vorträgen und Ruhepausen. Der Schwerpunkt soll in der Selbsthilfegruppe liegen. Bedingung ist die Mitwirkung der Krankenkasse. Eine Anfrage auf finanzielle Unterstützung soll beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemacht werden.

1989: Die Stadt sucht einen schnellen Ausstieg aus den verlustträchtigen Solebädern im denkmalgeschützten Solbad Raffelberg. Sie will 424.000,- DM Jahresverlust nicht länger hinnehmen und denkt an eine Therme im historischen Kurpark, nach dem Konzept der "Taunus-Therme" des Betreibers Wicker. In Gemeinschaft mit der Fa. Conle will er 60 Millionen DM für den Neubau ausgeben, das alte Solbad aber nicht mit einbeziehen. lnstandsetzungskosten dafür sind unklar. Lärmende Kinder sind in der Therme nicht erwünscht. Dafür sieht die SPD den Ausbau des Hallen-Freibades Heißen vor, das sich zu einem erschwinglichen Preis zu einem Spaßbad für Familien umbauen läßt. Dieter Schloten sieht für die Therme im Ruhrgebiet Bedarf. Herr Reddel, Geschäftsführer der Taunus-Therme preist deren Vorzüge: "Es ist schön, verschwenderisch zu sein, sich Luxus zu gönnen.". Ein weiterer Ausspruch Reddels ist der, daß Thermalbad und Solepackungen sich nicht vertragen. Die CDU gibt zu bedenken, daß die Taunus-Therme den Vorteil hat, das riesige Frankfurt und den Kurort Bad Homburg vor dem Kassenschalter zu haben. Sie kritisiert das familienunfreundliche Konzept und sieht für die Stadt keinen Vorteil, wenn Wicker und Conle sich nicht an der Instandsetzung des Solbades beteiligen.

Der planende Architekt versichert, daß die Bäume, die für den Neubau fallen müßten, alle krank seien. Soll die Therme keinem Leerlauf unterliegen, müßten im Schnitt 2.200 bis 2.400 Besucher täglich die Therme bis spät abends füllen.

Eine Thermalquelle sprudelt nicht; nach Thermalwasser soll im Park gebohrt werden. Man kann auch mineralhaltiges Wasser heranfahren oder künstlich herstellen.

Kritik wird am japanischen Ambiente laut, das weder zu einem Römerbad noch in den Park passe. Man erwidert, daß die japanischen Stilelemente in Speldorf nicht unbedingt kopiert werden sollten.

Hans Martin Schlebusch spricht sich für einen städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des Neubaukomplexes der Therme aus. Im Oktober 1989 fordert der Solbad-Verein einen Bebauungsplan nach Plänen des lnvestors. Die Mitgliederversammlung des Solbad-Vereins will, daß die Stadt ein Bebauungsplanverfahren zügig einleitet und vorantreibt. Stadt, Sparkasse und Verkehrsverein plädieren für den Neubau einer Therme im Kurpark und das Parkhaus auf der ökologisch wertvollen Apfelwiese auf dem Rennbahngelände.

Sanierungskosten für das dringend renovierungsbedürftige Baudenkmal betragen zwischen 6 und 7 Millionen DM. Landeshilfe ist in Sicht, und für das Theater ist damit die Zeit des lmprovisierens zu Ende.

In einem Leserbrief stellt Dr. med. T. Weichold infrage, ob der Betreiber eines Mammutunternehmens fachlich in der Lage ist, zusätzlich eine balneo-physikalische Einrichtung für den Benutzer ausstattungsmäßig optimal anzubieten.

September 1989: Im Rahmen einer lnformationsveranstaltung zu den Kommunalwahlen stellen die Grünen interessierten Bürgern für Speldorf geplante Baumaßnahmen vor. Eine davon ist die seit langem in Verbindung mit dem erhofften Spielcasino gewünschte Luxustherme.

September 1989: Gründung der "Initiative Speldorf".