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Speldorfer Geschichte

950 Jahre gerafft

Wer weiß schon, wie alt unser schönes Speldorf ist?

In den Annalen des Werdener Klosters können wir es nachlesen:
Dort ist "Spelthorpe" im Jahre 1053 erstmals urkundlich erwähnt. Spelthorpe, das Dorf der "Holzwirtschaft", war aufgrund sehr großer Waldungen, die mit dem Broicher Anteil vereint als "Uhlenhorst" bis an die Speeschen Besitzungen in Lintorf reichten, ein wichtiger Standort für die Herrschaft zu Broich, zu der es gehörte. Köhler produzierten Holzkohle, Stämme wurden zu Brettern verarbeitet, aus denen die kleinen Katen gebaut wurden, in denen die Speldorfer Bauernschaft wohnte. Im 15. Jahrhundert hatte nach einer Zählung zur Sicherung der Einkünfte der Broicher Schloßherren Speldorf rund 800 Einwohner. Als Durchgangsort von Duisburg nach Westfalen diente in Speldorf jahrhundertelang ein Weg, der von der Stadtgrenze an der Monning entlangführte und über den Baakendorf und die Bergstraße an der Furt über die Ruhr unterhalb des Schlosses Broich endete. Erst mit dem zunehmenden Frachtverkehr, bedingt durch weiteres Anwachsen der Bevölkerung im "späteren" Revier und dem Entstehen von Handwerksbetrieben und größeren "Manufakturen", war es notwendig, eine neue "Kunststraße", unsere heutige Duisburger Straße, anzulegen.

Zur Grundversorgung der Bevölkerung konnte Speldorf in erheblichem Umfang beitragen. Die fruchtbaren Ufer entlang der Ruhr waren hervorragend geeignet zum Anbau von Feldfrüchten und Gemüse. Besonders berühmt waren Speldorfer "Dicke Bohnen", die sogar in einem in Berlin erschienen "Gartenbaublatt" von 1890 Erwähnung fanden.

Speldorfs rasanter Aufstieg als Industrie- und Wohnstandort begann mit der Ruhrschifffahrt. Auf einer Timmerhelling im heutigen Hafengebiet wurden z. B. viele der Ruhraaken gebaut, welche zum Transport der im Revier links und rechts der Ruhr geförderten Kohle diente oder - später - zum Transport der Eisenerze aus dem Elsaß und dem Siegerland zur Friedrich-Wilhelm-Hütte.

Die Eisenbahn brachte große Veränderungen - auch und besonders für Speldorf. Durch den Bau der " Rheinischen Linie" von Düsseldorf über Ratingen, Lintorf und Speldorf nach Essen und die dadurch nachwachsenden Versorgungsbetriebe nahm die speldorfer Bevölkerung zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf über 5.000 zu. Der damalige Speldorfer Bahnhof beherbergte für gut 40 Jahre die Generaldirektion der "Rheinischen Eisenbahn", deren Standort danach nach Essen verlegt wurde.

Speldorf, der Ort der Stille und Erholung, hatte für die arbeitende Bevölkerung einiges zu bieten. Alleine 80 km Reit- und Wanderwege durchziehen den naturbelassenen Wald. Großflächige Grundstücke wurden von der um 1890 gegründeten Broicher-Speldorfer Wald- und Gartenstadt A.G. an zahlungskräftige Industrielle vergeben, deren prächtige Villen auch heute noch manchen Wanderer zum Schauen und Staunen anhalten läßt.

Speldorf heute: Gut 20.000 Einwohner zählt der Mülheimer Vorort jetzt. Ein beliebter Wohnort, an der Stadtgrenze zu Duisburg gelegen, der Arbeitsplätze - z. B. im großzügig erschlossenen Hafengebiet - vorhält und dennoch zum Wohnen einlädt. Nicht umsonst sind die Grundstücks- und Wohnungspreise hier recht hoch. Und die Kultur kommt ebenfalls nicht zu kurz: Viele Vereine bieten Sport und Geselligkeit in der Freizeit an. Eine der schönsten Galopprennbahnen des Westens, die das Raffelberger Geläufs, lädt zum Besuch ein. Über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist auch das "Theater an der Ruhr", von Dr. Roberto Ciulli im ehemaligen Kurhaus "Raffelberg" aufgebaut und bis heute geleitet. Ebenfalls über die Grenzen bekannt ist die "Katholische Akademie" des Bistums Essen hoch oben auf der Wolfsburg.

Speldorf - ein liebenswerter, geruhsamer Wohnort im hektischen "Revier" mit netten, aufgeschlossenen Menschen. Nicht umsonst heißt das Motto unserer IGS, der Interessengemeinschaft der Speldorfer Kaufleute:
"Bleib doch in Speldorf, hier ist Herz noch Trumpf."

Quelle: Hermann Schmitz

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